Ja, wir leben noch!
Die letzte Woche verlief sehr unspektakulär, deswegen beschlossen wir recht spontan zu dritt nach Nusa Penida, eine kleine Insel kurz vor Bali gelegen, zu fahren. Sie ist ca 200 km² groß, sehr naturbelassen und recht untouristisch und sie verfügt nur über wenige Straßen, die man auch als solche bezeichnen kann.
Am Freitag Nachmittag zogen wir nach der Arbeit zum Hafen in Sanur und ließen uns innerhalb dreißig Minuten zur Insel bringen. Dort entschieden wir uns für einen Taxifahrer, der sich erfolgreich durch die Insel fragte, bis wir letztendlich vor unserer AirBnb Unterkunft standen. Empfangen wurden wir dort von einer sehr freundlich und herzlichen Familie, die aber leider kaum Englisch sprach. Es gab einen Bungalow für uns zusammen und einen allein für Lucia. Das Bett sah verlockend aus (tatsächlich hatten wir beide in der Nacht zuvor kein Auge zugetan, da ein komisches Tier über unserem Zimmer tobte) und das Bad war traumhaft. Aber bevor wir das nutzten, wollten wir uns den Sonnenuntergang ansehen. Am Rocky Beach, dem Strand vor unserer Haustür, waren außer zwei spielenden Jungs und uns keine weiteren Menschen. Die Farben des Sonnenuntergangs waren sehr beeindruckend und uns blieb ein wenig die Luft weg, als sich der Mount Agung aus den Wolken befreite. Zurück bei unserer Unterkunft präsentierte man uns die Scooter, die wir ausleihen wollten um die nächsten Tage Nusa Penida zu erkunden. Auf die Frage hin ob wir auch Helme dazu bekämen, meinte der Chef: "Macht euch keinen Kopf um die Helme, hier gibt es keine Polizei, die euch kontrolliert." Ja schön, als wäre das unsere größte Sorge... Wir fuhren so vorsichig wie möglich zum nächsten kleinen Restaurant. Dabei stellte Anne fest, dass ihr Sitz nicht fest war, die Bremse dafür sehr lose und die Tankanzeige komplett außer Berieb war. Da fühlt man sich doch richtig sicher. Die Rückfahrt am späten Abend war wirklich bezaubernd. Da es auf der Insel nachsts auch kein Licht gibt, bietet sich die Ansicht eines wahnsinnig schönen Sternenhimmels. Allerdings sind die Straßen kurvig und man darf sich nicht zu sehr von der funkelnden Leinwand ablenken lassen.
In unseren Bungalows gab es einen Luxus, den wir nun seit über 3 Wochen nicht mehr erlebt haben: eine warme Dusche! Ja, auch wenn draußen 30 Grad sind, möchte man irgendwann warm duschen. Und danach folgte ein Bett mit echter!! Bettdecke - allerdings zum teilen, was dazu führte, dass Sarah am nächsen Morgen gut eingekuschelt da lag, während Anne nur mit einem Zipfel bedeckt wurde.
Zum Frühstück gab es Banana-Pancakes mit süßem Sirup, danach zogen wir an die Christal Bay. Die Straßen dorthin gingen teilweise wirklich senkrecht nach oben oder unten. Wir hatten uns vorgenommen in der Kristallbucht schnorcheln zu gehen, allerdings riet man uns vor Ort das eher am Morgen zu machen und so verschoben wir unser Vorhaben. Vielleicht lag es nur an der grellen Mittagssonne, aber irgendwie hatten wir uns eine Bucht mit solchem Namen irgendwie schöner vorgestellt... etwas enttäuscht verließen wir den Ort und steuerten den Broken Beach an. Der Weg dorthin wich von der Hauptstraße der Insel ab und wir befanden uns auf Geröll- und Schlaglochpfaden. Über eine Stunde lang versuchten wir das Moped unter uns nicht zu verlieren und gerieten regelmäßig ins Grübeln, warum Indonesier wirklich bei allem entspannt sind aber nicht auf der Straße. Auf diesen unbefestigten Wegen war immernoch das höchste Gebot: "der Erste gewinnt." Gott weiß was aber das muss die Erklärung dafür sein, dass sich zwei dicke Autos auf einer unbefestigten Straße (die eigentlich schon für eines dieser Autos zu klein ist) mit so wenig logischem Denken versuchen aneinander vorbei zuschieben ohne sich dabei komisch vorzukommen. Und als ob das nicht reicht, versucht immer noch ein Rollerfahrer, ob er sich nicht doch noch dazwischen durchquetschen kann. Und am Ende stehen alle Herangerollten 20 Minuten lang in der prallen Sonne, weil keine der drei Parteien es einsieht, ein Stück zurückzusetzen. Man könnte ja den Wettstreit verlieren. Lange Rede, kurzer Sinn: wir waren froh, als wir die Scooter abstellen konnten und verschoben die panischen Gedanken an die Rückfahrt auf später. Wenn diese Buchten jetzt nicht so schön werden, wie auf den Bildern, dann... Die ersten Klippen waren schön anzusehen, die Kraft der daran zerbrechenden Wellen war gigantisch. Es sollte hier einen natürlichen Pool zwischen den Klippen geben, dessen Steine in den buntesten Farben funkeln - der sogenannte Angels Billabong. Ha! wir wären fast daran vorbei gelaufen, so unscheinbar war er. Nur die herumstehenden Touristen hatten ihn verraten. Etwas abschätzig schauten wir hinab. Plötzlich meinte Lucia: "Ich geh jetzt schwimmen." Und naja, etwas zögerlich taten wir es ihr nach (damit löste sie übrigens einen totalen Trend aus, denn vor ihr hatte sich das wohl an dem Tag noch keiner getraut). Auch wenn der Angels Billabong nicht ganz den Fotos im Internet nahekam, so war es doch sehr erfrischend und ein bisschen aufregend darin zu schwimmen. Es folgten der Blick in die Tiefe der Broken Bay und ein kleines Mi Goreng bis wir wohl oder übel den Weg zurück antreten mussten. Am Abend gaben wir der Christal Bay noch eine Chance und sie nutzte sie: es gab einen herrlichen Sonnenuntergang zu sehen.
Der nächste Tag startete, wo der letzte aufgehört hatte, denn wir waren extra früh aufgestanden, um schnorcheln zu gehen. Es war eine gute Entscheidung, denn außer uns waren nur noch 3-4 andere Schnorchler am Start. Und die Sonne steht zu der Zeit noch nicht so hoch, sodass sich Sarah nicht so schnell an der Wasseroberfläche verbrennen kann. Das Riff ist relativ weit zum Strand verlagert, weshalb man ganz entspannt raus schwimmen kann. Und was wir gesehen haben, war bezaubernd. Das Wasser ist glasklar, die Korallenriffe knallbunt und voller Leben. Gemeinsam mit unzähligen Fischen zu schwimmen ist definitiv ein guter Start in den Tag.
Zum Abschluss zog es uns noch zu einer außergewöhnlichen Sehenswürdigkeit: der Giri Putri Cave - mehrere Tempelanlagen in einer riesigen Höhle. Um diese zu erreichen, darf man erst einige nicht genormte und viel zu hohe Treppenstufen steigen (also keine Sarah-und-Anne-Stufen). Dann wird man mit Weihwasser gesegnet und darf, natürlich nur mit Sarong, die Höhle durch einen winzigen Eingang betreten. Nach dem Eingang bewegt man sich noch drei Meter im Vier-Füßler-Gang aber danach eröffnet sich ein gigantisches Gewölbe. Die Luft war sehr feucht und geschwängert vom Duft tausender Räucherstäbchen. Leises Glockenklingeln drang durch die Finsternis. Wir erblickten die ersten Gebetsstätten und die dort knienden Menschen ließen sich nicht von uns stören als wir vorsichtig an ihnen vorbei liefen. Diesen Anblick bekamen wir noch einige Male zu Gesicht auf unserem Weg durch die Höhle. Leider kann kein Bild und kein Wort beschreiben, was in einem vorgeht während man durch diese Anlage läuft....vielleicht braucht es noch eine Weile bis man dieses Gefühl benennen kann. Am Ende des Rundganges bekamen wir noch ein Bändchen, welches uns solange beschützen soll bis es kaputt geht. Und da war unser kleines Abenteuer auch schon vorbei...
Was sich abschließend sagen lässt ist, dass bei allen ein gutes Gefühl ausgelöst wurde als wir wieder die Tür zu "unserem zu Hause" geöffnet haben. Denn die Insel ist zwar sehr sehr schön aber irgendwie hat sie bei jedem von uns ein kleines bisschen an den Nerven gezerrt.
Fortsetzung folgt...
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| Rocky Beach Sunset I. |
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| Die gute Straße der Insel |
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| Die Straße Richtung Broken Beach |
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| Broken Beach |
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| Angels Billabong |
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| Broken Bay |
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| Christal Bay Sunset II. |
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| Giri Putri Cave - man achte darauf: "no magical charm!" |
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| Giri Putri Cave |
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| Lucia im Eingang der Cave |
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