21. Modern. Futuristisch. Nachhaltig. Multikulti. - Singapore!

Das Arbeitsvisum sollte ablaufen und das bedeuete für uns, dass wir das Land verlassen müssen. Schon wenige Tage nach unserer Ankunft auf Bali entwickelte sich die Schnapsidee: wir umgehen die Bürokratie der neuen Visa-Beantragung und fliegen nach Singapore.

27.04.
Am Freitag sollte 9Uhr der Flieger gehen. Total verschlafen waren wir gegen sieben durch alle Pass-und Gepäckkontrollen durch und freuten uns, dass alles so unkompliziert verlief. Wir warteten und warteten und warteten... bis zehn vor neun die Durchsage kam: "your flight has been cancelled." - Na toll, und nun?! Wieder raus aus der Departure-Area, rein in den Flughafen, mit allen anderen zum Check-In-Schalter. Es geht heute noch ein Flug aber erst 17:40 Uhr. Na danke.
Wir brauchen euch nich erzählen, dass in den folgenden sieben Stunden alles zur allgemeinen Unzufriedenheit beitrug. Die Zeit verging langsam, aber sie verging und kurz nach 20 Uhr landeten wir auf dem Changi Airport in Singapur, einem der modernsten Flughäfen weltweit. Bei der Einreise wurden unsere Fingerabdrücke genommen, Fotos gemacht und unser Handgepäck nocheinmal gründlich durchleuchtet. Trotzdem ging alles zügig und ohne Warten von statten. So, jetzt nur noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu unserer Unterkunft kommen. Dieser Weg machte all unsere frustrierenden Erlebnisse des Tages wett, denn an welcher Haltestelle wir auch standen und uns unsicher umsahen, wurde uns von freundlichen jungen Leuten Hilfe angeboten. Der Student, der uns im Bus ausversehen die falsche Haltestelle nannte, an der wir aussteigen sollten, kam sogar zurück gelaufen, weil es ihm leid tat und brachte uns noch zu Fuß bis zur Unterkunft. Die entpuppte sich als große, weiße Villa mit bezaubernder Inhaberin. Sie zeigte uns unser Zimmer, das Bad und erklärte uns, dass wir alles essen dürfen, was im Kühlschrank ist. Das nutzten wir aus, nahmen hinterher eine lange, warme (!) Dusche und versanken komplett fertig im achso bequemen Bett...

28.04.
Nach einem ausgedehnten Frühstück und Gesprächen mit einigen Gästen aus dem Haus ging es los in die Stadt. Schon der Weg zur MRT-Station bezauberte mit einem breiten Fußweg, Mülleimern und dem Blick auf die ersten gigantischen Hochhäuser. Ziel Nr.1: Gardens by the Bay. Als wir dort ausstiegen war das Marina Sands nicht zu übersehen: ein riiiesiges Luxushotel bestehend aus drei 55 Stockwerk hohen Türmen (ca. 191m) auf denen ein 340m langer Dachgarten in Form eines Schiffes liegt. Uns blieb bei diesem Anblick der Mund offen stehen. Der ging auch nicht zu als wir die ersten Super-Trees des Gartens sahen. Die 25 bis 50m hohen Konstruktionen aus Stahl und Beton sind Mamutbäumen nachempfunden. Sie sind runherum bewachsen und dienen als Abzugsschächte für die Gewächshäuser, als Regenwasserspeicher und Stromerzeuger durch Solarenergie und Biomasseherstellung. Ja, wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Über zwei Stunden hielten wir uns auf dem Gelände auf, welches unteranderem noch einen Sukkulentengarten, ein Aquarium und einen Abenteuerspielplatz für Kinder (und Anne) bot. Auf unserem Weg zur nächsten Attraktion gelangten wir in das Shoppingcenter, welches zum Marina Sands Hotel gehörte. Genau so protzig, luxuriös und genau so coole Architektur. Daneben befand sich noch ein kleines Kunstwerk von Gebäude: das ArtSience Museum, welches wir unbedingt besuchen wollten. Aber zuerst  ging es über die Helix-Brücke zur anderen Seite, wo schon der Singapore Flyer auf uns wartete, das mit 165m Höhe bis 2014 größte Riesenrad der Welt. Und in diesem genossen wir einen Ausblick hoch über der mit Wolkenkratzern bebauten Stadt. Hinterher fuhren wir zum Ford Channing Park, einer angelegten Grünanlage in der wir uns leider nicht ganz so sehr entspannen konnten, wie erhofft. Dafür gab es tollen Schokokuchen dort. Am Abend fuhren wir zum Merilon Square am Marinas Bay um dort den spuckenden Meerjungfraulöwen zu sehen, das Wahrzeichen von Singapur. An diesem Fleck der Stadt verteilten sich die Touristen leider nicht und die Lichtershow haute uns auch nicht so um aber hey, wir waren da, - Häkchen auf der Checklist. An diesem Abend landeten wir spät und fußlahm aber irgendwie ziemlich glücklich im Bett und schliefen zu dem sanften Rauschen der vorbeifahrenden Autos ein. 









29.04.
Ein Tag mit erneut straffem Programm stand an. Ziel Nr.1: die Bugis Street, ein Ort von dem uns versprochen wurde, er würde dem Camden Market in London ähneln. Aber es war viel zu eng, schrill, bunt blinkend und es gab hauptsächlich sinnloses asiatisches Plastikspielzeug zu kaufen. Also ging es schnell weiter zur Haji Lane, eine schmalen Gasse gesäumt von kleinen bunten Häuschen, die ihre Fensterläden weit aufgeklappt hatten und ihre kleinen Cafès und Boutiquen preisgaben, - schon viel mehr unser Geschmack. Wir hielten uns einige Zeit dort auf, gelangten in das arabische Viertel und besuchten eine Moschee und zogen letztendlich weiter nach Little India. Als wir dort aus der MRT-Station kamen, strömten ganz neue Eindrücke auf uns ein: bunte Häuser, Menschen in farbenfrohen, traditionellen Kleidern und orientalische Gerüche (wirklich ungewohnt in einer sonst so geruchsneutralen Stadt). Wir schlenderten durch die Straßen, sahen uns die Schmuckläden an, beobacheten die Menschen und stellten fest, dass Singapur eine Stadt ist, in der man nie wirklich sicher sein kann, wo man sich gerade befindet. Englisch ist hier die übliche Sprache aber alle wichitgen Hinweise stehen auch in Malayisch und Indisch geschrieben. Die verschiedenen Kulturen und Religionen leben hier nebeneinander, sogar mehr untereinander und als Außenstehender bekommt man das Gefühl, dass sich alle gegenseitig respektieren und die Einflüsse des jeweils anderen mit Freude annehmen. Respekt und Höflichkeit werden hier sowieso sehr groß geschrieben. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird mit kleinen Reimen und Figuren darauf aufmerksam gemacht, den Platz an der Tür frei zuhalten für Alte, Schwangere, Kinder, etc. Auf Baustellenschildern entschuldigt man sich für die Unannehmlichkeiten und rempelt man jemanden aus Versehen an, so enschuldigt sich der andere dafür, dass er im Weg stand. Am späten Nachmittag besuchten wir das ArtSience Musem. Dieses hatte es sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene Problematiken (zukünftige Stadtentwicklung, Abholzung des Regenwaldes, Streetart, Diversität auf unserem Planeten) auf eine sowohl künstlerische, pädagogisch wertvolle und auch spielerische Art und Weise an die Besucher heran zuführen. Hinterher liefen wir zurück zum Gardens by the Bay, denn dort fand die allabendliche Lichtershow statt. Das war unser Highlight! Wir saßen unter den riesigen Bauminstallationen, pompöse Musik ertönte, die Bäume blinkten aufeinander abgestimmt und alles zusammen ergab ein großartiges Kunstwerk. 







30.04. 
Montag war unser letzter Tag in der Stadt. Den Vormittag verbrachten wir im botanischen Garten. Dort war es wunderbar grün und gegen einen kleinen Obolus durften wir uns auch den Orchideen Garten ansehen. Neben jeder Menge Japanern und Chinesen, die in großen Touristengruppen unterwegs waren, nutzten auch die Einwohner Singapurs die Grünfläche, da man keinen Eintritt zahlen musste um diese Oase zu genießen. Zum Mittag - und das muss hier erwähnt werden - aßen wir ein leckeres Käse-Sandwich. Und der Käse war richtig schön zerlaufen. Óhhh wie uns der Käse gefehlt hat! Unser letzter Weg führte nach China Town und dort besuchten wir den Tooth Relict Temple, einen chinesisch buddhistischen Tempel, welcher prunkvoll verziert  zwischen den verglasten Wolkenkratzern stand. Auch hier fiel uns der Respekt auf, mit dem alle Touristen durch das Gotteshaus schlichen. In dieser Hinsicht gefiel uns die Stadt außerordentlich gut und auch der Fakt, dass sie so wahnsinnig sauber war, begeisterte uns. An jeder Ecke standen Mülleimer, auf Müll- einfach-wegwerfen werden Geldstrafen verhangen. In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist Essen und Trinken verboten um den Dreck zu vermeiden. Das alles mag sehr streng klingen aber es sorgte wirklich für ein ausgesprochen sauberes Stadtbild, in dem wir uns sehr schnell wohlfühlten.
Am Abend fuhren wir zurück zum Flughafen, Bali wartete wieder auf  uns. Das Check-In funktionierte reibungslos, der Flug hob pünktlich ab und wir durften mit einem Touristen-Visum wieder einreisen. Alles in allem ein großartiger Ausflug. Anne tat das Herz sogar etwas weh, als sie wieder von der Großstatt auf die kleine Insel musste...









Jetzt beginnt für uns der letzte Monat. Er wird sehr spannend, denn wir haben heute schon Henry vom Flughafen abgeholt und werden am Freitag nach Lombok starten. Von dort aus geht es auf die Gili-Inseln und zu guter Letzt noch auf die Insel Komodo.

Also, Fortsetzung folgt...


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