20. Nur weil Paradies drauf steht, muss noch lange keins drin sein...
Es gibt ein Thema, dass uns beide seit unserer Ankunft sehr beschäftigt. Wir mussten uns etwas Zeit lassen darüber zu berichten und ein bisschen recherchieren...
Leider müssen wir euch mitteilen, dass Bali nicht das Paradies ist, für das es gehalten wird. Aber lasst uns mal von vorn beginnen: Als wir hier ankamen, krachte unser Bild vom Paradies in tausend kleine Stücke zusammen. Noch auf dem Weg vom Flughafen zu unserem Homestay brannte sich ein Gedanke in unsere Köpfe ein: "Wenn die Leute in Deutschland wüssten! Uns geht es ja zu Hause so gut." An den Straßen sahen wir marode Gebäude und riesige Müllhaufen und enorm viele Dreckschleudern waren mit uns auf der Straße unterwegs. Auf unserem ersten Spaziergang entdeckten wir Plastikberge am Straßenrand, in den Abwasserkanälen und in kleinen Wäldchen. Ja selbst am Strand lagen Plastikflaschen, Becher und Verpackungen zwischen Algen und Muscheln. Nur in den Bereichen, wo die gigantischen Hotelanlagen sind, dort ist der Strand sauber. Dort wird den Gästen eine heile saubere Welt vorgegaukelt und wenn sie diesen Bereich nicht verlassen, werden sie Bali auch für immer als Paradies in Erinnerung behalten.
Uns wird das nicht passieren, denn was wir auch mit Bali in Verbindung bringen, wird der beißende Geruch von verbranntem Plastik sein, den wir jeden Tag erleben, weil die Locals ihren Müll aufgrund einer nur sporadisch funktionierenden Müllabfuhr im Garten verbrennen. Es werden die einzeln in Plastik verpackten Lebensmittel im Supermarkt sein und die Plastiktüten in dem alle Einkäufe und manchmal sogar der gesamte Hausrat transportiert werden. Uns werden die bunten Opfergaben, gefüllt mit einzeln verpackten Bonbons im Gedächtnis bleiben, die auf die Straße gelegt und nicht wieder weggeräumt werden und der verzweifelte Versuch, irgendwo einen Mülleimer zu finden.
Indonesien hat ein enormes Müllproblem, das lässt sich nicht leugnen. Wir haben uns damit beschäftigt, woher es kommt, welche Folgen dieses hat und wer etwas dagegen unternimmt.
Wie es so eskalieren konnte...
Bis 1970 war die Insel nur wenig touristisch. Die Locals lebten von Landwitschaft. Ihre Ernährung war regional. Man nutzte Bananenblätter als Unterlagen und trank Kokosnüsse. Die Menschen waren es gewohnt, dass man nach dem Snack "den Müll" einfach wegwerfen konnte - immerhin war der ganze Kram ja biologisch abbaubar. Dann entwickelte sich Bali rasant zum Surferparadies und zu einer Esotherik-Hochburg und die Touristen erwarteten zunehmend westliche Standards. Lebensmittel in aufwendigen Plastikverpackungen schmückten die Supermärkte. Ist ja schließlich auch billig. Und billig ist gut, das unterstützt die indonesische Regierung. An dem Verhalten zum Müll hat sich in den ganzen Jahren nichts verändert, da die Aufklärung rund um Plastik fast gänzlich fehlt. Und so werden Verpackungen immer noch unachtsam weggeworfen wie Bananenblätter...
Was daraus folgt...
Allein eine Kleinstadt auf Bali produziert ca. 100 Tonnen Müll im Monat. Es gibt keine systematische Müllabfuhr oder Recyclinganlagen und die wenigen privaten Müllunternehmen sind mit den Mengen restlos überfordert. Der Abfall landet auf riesigen Deponien, wo er Tage vor sich hingammelt und einen unerträglichen Geruch in die Stadt leitet bis er dann einfach verbrannt wird. Welch tolle Voraussetzung für ein gesundes Leben.
Viel schlimmer allerdings ist die Verschmutzung der Meere. Es landen jeden Tag unnormale Mengen an Plasik in den Ozeanen. Und es ist nicht nur Indonesien daran schuld. Wir alle tragen dazu bei, dass es ab Mitte dieses Jahrhunderts bald genauso viel Plastik in den Ozeanen geben wird wie Fische. Das hat ein großes Artensterben zur Folge. Seevögel, Meeressäuger und Schildkröten verwechseln die Partikel mit Nahrung und schlucken diese Teile und verenden qualvoll daran. Korallenriffe sterben aufgrund der schwindenden Artenvielfalt. Und zu guter letzt landet Mikroplastik ins Grundwasser und auch auf unsere Teller.
Bali muss mit Zunahme der Verschmutzung auch um die wichtigste Einnahmequelle bangen. Durch die Ableitung von Chemikalien in Flüssen und der Verschmutzung der Luft durch Abgase, kann schwimmen, tauchen und surfen gesundheitsschädlich werden. Die Touristen bleiben aus und Bali steht vor einem gewaltigen Finanzproblem...
Was dagegen getan wird...
Es gibt natürlich einige Projekte auf Bali, die etwas gegen diese Probleme unternehmen. Wöchentlich finden sogenannte "Beach Clean Up's" statt, zu denen sich Locals und Touristen an Stränden zusammen finden und Müll sammeln. Außerdem gibt es Organisationen wie "Ingeneure ohne Grenzen", die "green lessons" abhalten, dabei Aufklärungsarbeit leisten, Mülltonnen bauen und die Mülltrennung ausbauen. Das Schülerprojekt "Bye Bye Plastiktüte Bali" überzeugte ein Dorf auf Plastiktüten zu verzichten.
Der fantastiche Blog "Indojunkie" hat einen tollen Bericht über diese Problematik geschrieben und gleich ein paar mehr NGOs vorgestellt: https://indojunkie.com/artikelreihe-keep-bali-green-and-clean-bali-muellparadies/
Und was geht uns das eigentlich an?
Nun, so abgedroschen wie es auch klingen mag, aber wir haben nur diese eine Erde, diesen einen Planeten auf dem für uns momentan das Leben möglich ist. Wir müssen euch nicht erzählen, wie die Menschheit damit umgeht. Jeder weiß, dass es zur Zeit nicht besonders rosig für die folgenden Generationen aussieht, wenn wir nicht unser Verhalten ändern. Klar, von hier aus betrachtet verhält sich Deutschland in Sachen Recycling und Umweltschutz vorbildlich aber es gibt immer Luft nach oben:
Unser Aufenthalt in Bali hat uns unser kleines privates Leben etwas überdenken lassen in dieser Hinsicht. Es hat uns dazu inspiriert mit ein paar guten Vorsätzen nach hause zu gehen:
Nummer 1: Mülltrennung. Ja, wenn man das etwas ernster nimmt kann man anderen Leuten nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern auch das Recyclen vorantreiben.
Nummer 2: Sensibler Plastikkonsum im Alltag. Mit der Vision, vielleicht ein annähernd plastikfreies Leben irgendwann zu erreichen. Kleine Schritte können sein, keine Plastiktüten mehr zu nutzen (in dem Fall hat das Land schon gute Fortschritte geleistet, dass es gar nicht mehr schwer fällt) oder im Supermarkt darauf zu achten, möglichst wenig Produkte in Plastikverpackungen zu kaufen.
Nummer 3: Transportwege überdenken. Ja, wir sind nach Bali geflogen. Das bedeutet, dass auf jeden Passagier der Treibstoff für ein durchschnittliches Jahr Autofahren kommt. Ja, wir haben ein schlechtes Gewissen und werden bei den nächsten Reisen überdenken, ob sie mit dem Flugzeug gemacht werden müssen. Aber auch im Alltag wollen wir auf die Kleinigkeiten achten: Fahrrad fahren und Öffis nutzen anstatt in's Auto zu springen und versuchen regionale Kost zu kaufen, denn auch Essen wird im Flugzeug transportiert.
Wir sind keine Weltretter und keine Revolutionäre. Wir erzählen euch hier auch nur Dinge, die jeder weiß. Aber allein diese konsequent im Alltag umzusetzten wird eine Herausforderung werden. Wir wollen ihr uns stellen und hoffen, dass wir vielleicht noch jemand anderen dazu inspirieren können.
Zum Schluss, wie nach jedem guten Aufsatz, haben wir hier ein paar Quellen und Links zusammen gestellt, die ihr euch bei Interesse noch durchlesen könnt. Besonders das erste Video von einem Taucher, der in der Regenzeit das Meer vor der balinesischen Küste filmte ist einen Blick wert. Außerdem findet ihr hier noch ein paar private Fotos.
https://www.stern.de/panorama/bali--taucher-schwimmt-durch-ozean-voller-plastikmuell-7891064.html
http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
https://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/de/projekte/idn-iog02
http://www.sunda-spirit.com/bali-uebersicht/bali-oekologie-umwelt/

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